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27.04.2010

Quelle: http://www.mainpost.de

WERNECK

Mit dem Seniorenbus zum Einkaufen - Donnerstags dreht das Shuttle seine Runden: Seniorenbeirat des Marktes Werneck organisiert innerörtliche Einkaufslinie


Foto: Eidel

Ab 6. Mai geht's los: Dann startet in Werneck ein Seniorenbus auf die Rundtour vom Ort zu den Gewerbegebieten Spitzäcker und an der A 70. Fuhren einmal Probe (von links): Richard Müller und Renate Heuler, Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, Hildegard Driesel und Seniorenbeauftragter Wolfgang Keller.


Im Alter mobil zu sein, selbst zum Einkaufen fahren zu können, alleine zum Friseur- oder Arzttermin zu gehen – für etliche Senioren auf dem flachen Land bislang eher ein schöne Vorstellung als Realität. In der Marktgemeinde Werneck soll das anders werden. Ab 6. Mai tourt einmal wöchentlich ein Seniorenbus durch Werneck. Ziel: die Gewerbe- und Einkaufsgebiete Spitzäcker und an der A 70. Und zwar immer donnerstags von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Stundentakt.

Neuland im Landkreis betritt der Markt Werneck und sein Seniorenbeirat mit diesem Projekt. „Die Entfernung zu den Geschäften ist doch groß“, weiß Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl. Auch die Größe des Ortsteils Werneck selbst ist für Senioren nicht immer zu Fuß zu bewältigen. Zwar gibt es in Zeiten nachlassender verwandtschaftlicher Bindungen immer auch nachbarschaftliche Hilfe. „Aber viele Senioren wollen auch mal selbst ihre Einkäufe erledigen oder sehen, was es Neues im Regal gibt“, sagt die Bürgermeisterin.

Der Seniorenbeirat der Gemeinde ergriff daher die Initiative, organisierte eine entsprechende Buslinie, zunächst für den Gemeindeteil Werneck. Ein Kleinbus war schnell gefunden, den stellt das örtliche Ford-Autohaus Deppisch kostenlos zur Verfügung. Zu bewältigen gab es aber einige rechtliche Hürden, berichtet Seniorenbeauftragter Wolfgang Keller.

Er machte sich unter anderem beim Landratsamt Schweinfurt schlau in Sachen Gewerbeaufsicht, Personenbeförderungsgesetz, Linienverkehr oder Versicherungsrecht. Denn auch in der Kreisbehörde ist so eine Senioren-Einkaufslinie Neuland, bestätigte ihm Sozialamtsleiter Werner Kaffer. Das Ergebnis der Recherchen: Die Gewerbeaufsicht muss nicht einschreiten, da mit der neuen Senioren-Linie kein Gewinn erzielt werden soll; die Fahrt ist für die Nutzer (Senioren und Gehbehinderte) kostenfrei. Da der Seniorenbus zudem an bestimmten Tagen und Zeiten seine Tour fährt, falle dies auch nicht unter das Taxigewerbe, erklärt Keller.

Von der Regierung von Unterfranken, die für den Linienverkehr die Erlaubnis erteilt, mussten sich die Initiatoren ihr Projekt nicht absegnen lassen. Denn: es gibt nur sechs Sitzplätze. Dann brauchen die Fahrer auch keinen Fahrgastbeförderungsschein. Und so dürfen am Steuer des Seniorenbusses ganz normale Fahrer sitzen – zehn Ehrenamtliche, junge und jung gebliebene Senioren.

Die Strecke und Haltestellen der Einkaufs-Linie hat Wolfgang Keller ausgetüftelt, ist sie mehrmals abgefahren, hat die Zeiten gestoppt. Auch mit den künftigen Chauffeuren gab es Probefahrten: Vom Beginn am Buswartehaus Am Schlosspark über den Parkplatz Peks/NKD (was nach Ende der Bauarbeiten ans Rathaus verlegt wird) zum Gewerbegebiet Spitzäcker, zum Kreisaltenheim und über die Schönbornstraße, Einmündung Bergsiedlung zum Gewerbegebiet A 70 und auf diesem Weg wieder zurück.

„Eine Stunde dauert die Runde“, hat Keller kalkuliert, sie soll viermal an den Donnerstagnachmittagen angeboten werden. Dass nicht alle Fragen vor dem Startdes Seniorenbusses am 6. Mai, geklärt werden können, ist ihm klar. Aber vieles werde sich, da ist er zuversichtlich, lösen lassen. Etwa, wenn jemand viele Einkäufe erledigt hat und diese nicht im Kleinbus verstaut werden können. „Da hat sich ein Geschäftsmann schon darauf eingestellt“, berichtet der Seniorenbeauftragte. „Der Edeka-Markt Müller bietet an, die Waren nach Hause zu liefern.“

Auch für Rollatoren gibt es nur wenig Platz, die seien nur bedingt mitführbar, sagt Keller. Und was, wenn mehr Senioren zusteigen wollen als es Plätze gibt? Erst mal die Resonanz abwarten, sagt Keller auf diese Frage, anfangs werde er mit seinem Privatwagen dem Kleinbus hinterher fahren, um Erfahrungen zu sammeln.

Dass die Senioren-Einkaufslinie angenommen wird, davon sind Seniorenbeirat und Bürgermeisterin überzeugt. Wenn sich alles eingespielt habe und der Wunsch auch in anderen Gemeindeteilen bestehe, müsse man Lösungen finden. Einen ersten Fahrgast hat der Seniorenbus schon: „Das ist wunderschön“, sagt dazu die 82-jährige gehbehinderte Werneckerin Gertrud Geisel. „Ich werde es auf jeden Fall probieren.“



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